Die Geschichte der Steelers im Schnelldurchlauf

Du kennst die Pittsburgh Steelers als Rekord-Champion, als unglaublich erfolgreiche Franchise, als Team schwarz-goldener 70er Jahre. Doch vor den sechs Super-Bowl-Titeln lagen 40 zähe Jahre des Misserfolgs. Wie die Steelers sich in die Geschichtsbücher spielten und welche drei Trainer sie prägten – jetzt in diesem historischen Überblick zu deinem Lieblingsteam.

Anfangsjahre (1933-1968)

Als der Geschäftsmann Arthur Joseph Rooney die Steelers am 8. Juli 1933 für aus heutiger Sicht schlappe 2.500 US-Dollar kaufte, ging er gewiss nicht davon aus, dass 40 Jahre vergehen würden, ehe sein Team erstmals einen Playoff-Sieg feiern würde. Blickt man jetzt auf die milliardenschwere Franchise aus Pittsburgh, so ist es geradezu unvorstellbar, dass sie fast vier Jahrzehnte zu den schlechtesten Mannschaften der NFL gehörten.

Zwischen 1933 und 1969 verloren die Steelers satte 253 Spiele, gewannen dabei nur 157 und beendeten gerade einmal fünf Saisons mit einer positiven Bilanz. Folglich waren auch die Playoffs äußerst selten ein Thema in Pittsburgh. Ein einziges Mal erreichten die Steelers die K.-o.-Runde, das war 1947, doch die Freude war nur von kurzer Dauer und auch nicht wirklich eine Freude, denn sie unterlagen den Philadelphia Eagles mit 0:21.

Wie es die Bilanz vermuten ließ: Wirklich lange überlebte keiner der ersten 13 Head Coaches der Franchise bei den Steelers. Lediglich Jock Sutherland (13-9-1 von 1946 bis 1947) und Buddy Parker (51-47-6 von 1957 bis 1964) hatten bei ihrem Abschied aus Pittsburgh mehr Siege als Niederlagen auf dem Konto.

Trainerwechsel dominierten die Schlagzeilen, Namenswechsel gab's aber auch. Während des 2. Weltkriegs taten sich die Steelers aus Spielermangel zuerst mit den Eagles ("Steagles") und dann mit den Chicago Cardinals ("Card-Pitt") zusammen, um überhaupt einsatzfähig zu sein. Auf dem Spielfeld war zwischen 1950 und 1963 Ernie Stautner als gefürchteter D-Liner und einziger in Deutschland geborener Hall of Famer einer der wenigen Lichtblicke.

Doch auch wenn es auf der Anzeigetafel nicht erkennbar war: Pittsburghs NFL-Team kämpfte um jeden Yard und entwickelte eine toughe Identität, die Gegner öfter und öfter zu spüren bekamen. Die Einstellung stimmte, die richtigen Ergebnisse fehlten. Noch.

Die Ära Chuck Noll (1969-1991)

Das sollte sich mit der Verpflichtung von Chuck Noll bald ändern. Er kam 1969 als jüngster Head Coach der Liga mit nur 37 Jahren auf Empfehlung des legendären Don Shula nach Pittsburgh und verließ die Franchise rund 20 Jahre später als erfolgreichster Trainer der NFL-Geschichte.

Auch wenn die Steelers in der ersten Saison unter Noll nur ein Spiel gewannen – ihre schlechteste Bilanz aller Zeiten – so waren doch erste Veränderungen erkennbar. Die Transformation begann dann so richtig mit dem NFL Draft.

In der neuesten Episode des deutschen Steelers-Podcasts weist Bob Labriola, Reporter des Teams, dem damaligen General Manager Dan Rooney, Arthurs Sohn, sowie dem Scout Bill Nunn herausragende Rollen zu. Besonders Nunn sei es gewesen, der ein geschultes Auge für die richtigen Talente hatte und gemeinsam mit Chuck Noll beim Scouting so erfolgreich war, dass die 70er bei den Steelers eine lange Liste an heutigen Hall of Famern hervorbrachte.

Defensive Tackle "Mean" Joe Greene, Quarterback Terry Bradshaw und Cornerback Mel Blount sowie Linebacker Jack Ham und Running Back Franco Harris wurden zum Fundament einer Dynastie. Als Noll und Nunn dann 1974 in der Talentauswahl die Receiver Lynn Swann und John Stallworth sowie Linebacker Jack Lambert und Center Mike Webster auswählten, die vielleicht beste Draft-Klasse aller Zeiten, wurden die Steelers quasi unbesiegbar.

In Nolls fünfter Saison griffen alle Rädchen ineinander, die Steelers gewannen am 12. Januar 1975 ihren ersten Super Bowl. Drei weitere Titel sollten in den Spielzeiten 1975, 1978 und 1979 folgen. Als erstes Team gewannen die Noll-Männer vier Super Bowls. Als einziges Team gewannen sie zweimal zwei Endspiele hintereinander. Erst als Verletzungen sich häuften und der Zahn der Zeit am Kader nagte, endete die Dominanz der Steelers.

Dem 1988 verstorbenen Gründer Art Rooney hatte Chuck Noll vier Titel geschenkt und eine Franchise, die aus den Rekordbüchern nicht mehr wegzudenken war. Als der Head Coach 1991 in den Ruhestand ging, waren die besten Tage seiner Stars zwar längst vergangen, doch die Siegermentalität blieb.

Die Ära Bill Cowher (1992-2006)

Die Fußstapfen hätten nicht größer sein können für Nolls Nachfolger Bill Cowher. Der 35 Jahre junge Mann aus Crafton, einem Vorort von Pittsburgh, hatte den Auftrag, die Steelers nach den unvergleichlichen 70ern und durchwachsenen 80ern wieder ins Endspiel zu führen. Das gelang ihm 1995 zum ersten Mal. Zwar unterlag Pittsburgh im Super Bowl XXX den zu der Zeit überragenden Dallas Cowboys, doch das Team war zurück auf der Bildfläche.

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Trotzdem sollte es bis Beginn des 21. Jahrhunderts dauern, ehe Cowhers Steelers endlich wieder die Vince Lombardi Trophy in den Himmel hoben. Als erstes Wild-Card-Team überhaupt gewann die Mannschaft drei Auswärtsspiele auf dem Weg zum fünften Titel im Super Bowl XL. Der Trainer hatte einen äußerst widerstandsfähigen Kader zusammengestellt, der Pittsburgh auch in den darauffolgenden Jahren immer wieder zum Titelfavoriten machen würde.

Running Back Jerome Bettis, Wide Receiver Hines Ward, Safety Troy Polamalu, Linebacker James Harrison und Quarterback Ben Roethlisberger prägten nicht nur die erfolgreichsten Jahre von Bill Cowhers Karriere als Steelers-Trainer. Viele dieser Schlüsselspieler blieben auch seinem Nachfolger Mike Tomlin erhalten, als Cowher sich 2006 zur Ruhe setzte.

Die Ära Mike Tomlin (2007-heute)

Tomlin übernahm als erster schwarzer Cheftrainer der Steelers ein nahezu komplettes Team – und führte dieses bereits im zweiten Jahr zum Titel. Im Super Bowl XLIII besiegten die Steelers denkbar knapp die Arizona Cardinals und erreichten damit als erstes NFL-Team überhaupt den Meilenstein von sechs Vince Lombardi Trophies.

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Beinahe wäre nur zwei Jahre später der siebte Titel hinzugekommen, doch die Green Bay Packers standen diesem Rekord im Weg. Tomlin hatte die Latte mit einem überragenden Start seiner Cheftrainer-Karriere unglaublich hoch gelegt – vielleicht ein bisschen zu hoch. Denn obwohl er mit den Steelers bis heute noch keine Saison mit einer negativen Bilanz beendet hat und er zu den erfolgreichsten Trainern der Franchise-Geschichte gehört, so verpasste er mit dem Team das große Ziel, den siebten Titel nach Pittsburgh zu holen, in den vergangenen Jahren stets. Doch eines ist sicher: Sollte der große Wurf gelingen, wird die Steelers Nation bereit sein, den Rekordtitel gebührend zu feiern!

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